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Anfrage zur Barrierefreiheit bei S21 II

noch ein update: der beitrag erscheint jetzt wenn ich auf den Link klicke, vermute mal er ist nach der Freischaltung dann für euch hier zu sehen und abstimmfähig.

Update: Ah in einer der VIER Mails die man nach dem Verfassen und Anmelden erhält steht drin das mein Beitrag zuerst von Moderatoren geprüft werden muss und erst dann freigeschaltet werden kann – nun, man darf gespannt sein a) ob er es wird und b) wann das passiert.

So, endlich ist es geschafft – ich habe die Anfrage endlich zu Ende formuliert und auch die Anregungen via Twitter einfließen lassen. Daraus ergab sich ein sehr langer Text mit sehr vielen Fragen.
Offenbar wird auf diesem Direktzu-Portal immer das beantwortet über das am Meisten abgestimmt wurde, so ganz hab ich das System noch nicht verstanden aber ich habe mich auch noch nicht wirklich eingelesen, also stimmt mal fleißig ab. Auch wenn es bis zum nächsten weiterleitungstermin am 22. wohl nicht mehr schaffbar ist den Beitrag so hoch zu voten vermute ich.

Eigentlich wollte ich jetzt einen Link zum Beitrag setzen, aber ich finde ihn nicht mehr auf der Seite…
Auch der Link der in der „wir haben ihren Beitrag erhalten“ Mail steht führt auf eine „Es wurde kein Beitrag gefunden, stellen Sie sicher dass der Link korrekt ist“ Seite.

Aber ich habe den Text vorher kopiert und notfalls muss ich mich halt dran machen herauszufinden welche Bahnleute da konkret verantwortlich sind und deren Mailfächer damit füllen. Mal sehen … ich will auf jeden Fall Antworten. (auch wenn die wahrscheinlich nur sehr unbefriedigend ausfallen werden, die Fragen müssen gestellt werden)

Hier also mein Text:

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe einige Fragen zur Barrierefreiheit des S21-Projekts die in den bisherigen Schlichtungen nicht beantwortet wurden.
Es war die Rede von 5 Aufgängen pro Bahnsteig, wieviele dieser Aufgänge sind Aufzüge und wo liegen diese? Wieder nur an den Enden des Gleises? Und gibt es für Rollstuhlfahrer im Falle eines Aufzugdefektes eiine Alternativmöglichkeit um vom Gleis weg bzw. zum Gleis hin zu kommen oder ist der Rollstuhlfahrer dann auf dem Gleis gefangen ohne sich selbstständig(!) wegbewegen zu können? (auch im Falle einer Notsituation muss es ja eine aufzugunabhängige Lösung geben)
Desweiteren wird die Durchgangsbreite bei den Rolltreppen als zu eng bemängelt, ist bei der Planung die Situation eines vollen Bahnsteiges und durchfahrenden Rollstühlen berücksichtigt worden, enge Bahnsteige können da u.U. ziemlich gefährlich sein.
Wurde mal ausprobiert wie schwierig das zukünftige Gefälle für Rollstuhlfahrer ist? Laut Medienberichten entspricht der Höhenunterschied von Bahnsteigende bis -anfang etwa einem zweigeschossigen Wohnhaus, in jedem Wohnhaus müsste dafür ein Aufzug eingebaut sein für Rollstuhlfahrer, hat man das in der Planungsphase mal z.B. von Rollstuhlfahrern wirklich testen lassen ob das Gefälle über diese Länge des Bahnsteiges zu bewältigen ist, auch mit Gepäck am Rollstuhl (Gefahr des Umkippens)? Oder hat man das wieder nur in der Theorie geplant? (auch vor dem Hintergrund das der Bahnsteig eine Neigung zur Bahnsteigmitte hin hat,denn das erschwert das Fahren ja zusätzlich)
Meines Wissens muss bei Rampen alle 6m ein Zwischenpodest eingebaut sein von 1,50m Länge, sind solche Podeste auf dem Bahnsteig eingeplant? (Musterbauordnung §50 http://www.bauordnungen.de/Musterbauordnung.pdf)
Wieviele barrierefreie Toiletten wird es geben und vor allem wo? Sind diese ohne Aufzugnutzung erreichbar?
Ein weiterer sehr wichtiger Punkt sind die geplanten Umsteigezeiten, einen konkreten Plan legte die Bahn bisher leider nicht vor es wurde aber davon gesprochen diese wären ausreichend. Auch für Rollstuhlfahrer? Von H. Leuschel wurde S21 als „ähnlich zum Bahnhof Mainz“ verglichen, dort beträgt laut Mobilitätsservice die MIINDESTumsteigezeit 20(!) Minuten, liegt die verfügbare Zeit darunter lehnt der Mobilitätsservice Hilfe ab. Beim jetzigen Bahnhof beträgt diese nur 15 Minuten.Wird es mir auch zukünftig möglich sein Anschlusszüge zu nehmen oder muss ich erst mal 30 Minuten Aufenthalt unter der Erde einplanen?
Wird es unterlaufbare Treppen bei S21 geben? Das stellt nämliich für Blinde, trotz Blindenleitsystem, eine ziemliche Gefahr dar. Gibt es für Gehörlose digitale Anzeigen mit Laufschrift die zeitgleich zur Ansage sind?
Werden die Tresen des Servicepoints eine niedirigere Stelle haben sodass auch Rollstuhlfahrer ohne Verrenkungen mit dem Personal kommunizieren können?
Wie werden die Servicezeiten des Mobilitätsservices sein? Also zu welchen Uhrzeiten können Rollstuhlfahrer überhaupt noch mit einer Einstiegshilfe rechnen?
Werden im Zuge der Zugneukäufe die wg ETCS notwendig sind endlich Züge mit fahrzeuggebundenen Einstiegshilfen angeschafft die das Personal auch bedienen darf? (das ist heute nicht immer der Fall) Vor allem auch Fernzüge die nicht mehr auf den Hublift angewiesen sind.

Ich weiß, das sind sehr viele Fragen, allerdings sind sie für mich und auch andere Behinderte alle sehr wichtig und relevant.

Freundliche Grüße

Ich kann den Text angeblich noch eine Stunde bearbeiten (wenn ich ihn denn mal finde *G*) also theoretisch könnt ihr noch schnell hier schreien wenn es noch was ganz wichtiges ist.

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Eingeordnet unter S21

Keine Diskriminierung bei S21

Wow, ich bin beeindruckt, sogar in solchen Ausnahmesituationen denkt die Polizei daran auch niemanden zu diskriminieren – muss ich jetzt Danke sagen?!

Ich habe heute nacht Videos vom 30.09. gesehen und sie haben mich etwas um den Schlaf gebracht muss ich sagen, auf einem davon meinte ich einen Rollstuhlfahrer (E-Bock nach den Umrissen des Rollstuhls) zu sehen aber die Kamera ging weiter zu einer anderen Stelle. Ich grübelte heute nacht noch ob ich mich da nicht versehen hab denn er wurde gegen Ende sicher angeschossen vom Wasserwerfer… heute morgen lese ich in einer Twittertimeline das auch andere dort einen Rollstuhlfahrer gesehen haben und einen Link zu einem andern Video wo er klar erkennbar ist.
Hier das erste Video (den Rollstuhlfahrer sieht man bei 3:14 und als gegen Ende die Kamera angeschossen wird steht er offenbar daneben dürfte also ebenfalls was abbekommen haben)

(direkt verlinken kann man offenbar nicht mehr weil man dann bestätigen müssen das man über 18 ist – warum auch immer – und sich dazu wohl bei youtube anmelden muss)

Und hier das 2. Video

Natürlich dürfen auch Rollstuhfahrer bestraft werden wenn sie gesetzeswidrig handeln, aber sie dürfen ebenso natürlich auch demonstrieren und ihrem Missfallen über S21 Ausdruck verleihen. Gewalt die den Einsatz eines Wasserwerfers rechtfertigte ging aber von dem E-Bock und seinem Fahrer ganz offenbar nicht aus…

Ich hoffe für den Rollstuhlfahrer das sein Rollstuhl kein Schaden genommen hat, denn entgegen den Youtubekommentaren kann das durchaus passieren. E-Rollstühle sind für normale Regenmengen ausgelegt und auch sicher nicht für den Druck eines Wasserwerfers.
Und ich habe auch schon mal einen streikenden E-Rollstuhl auf Grund von zu viel Regen erlebt, das kann definitiv selbst bei Regen passieren – und ein Wasserwerfer ist ja etwas deutlich anderes als Regen.

Wenn es so wenig Diskriminierung mal bloß immer gäbe…

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Eliteuniversität – Rollstuhlfahrer erwünscht?

Ich gebe zu die Überschrift ist etwas provokativ, dennoch vielleicht nicht ganz unpassend.

Ich studiere an einer sogenannten „Eliteuniversität“ und mir erzählte gestern eine Freundin von einem eher negativen Erlebnis mit einem Angestellten der Universitätsbibliothek.

Die Freundin ist ebenfalls Rollstuhlfahrerin und studiert an einer anderen Hochschule (in einer anderen, weiter entfernten Stadt) wohnt aber in der Stadt meiner Uni. Zum Lernen begibt sie sich oft in die hiesige Unibib. Die Bibliothek ist über einen Haupteingang mit Stufen zu erreichen und hat einen barrierefreien Seiteneingang für Rollstuhlfahrer. Dort muss man klingeln und warten bis jmd. vom Personal sich nach unten begibt und die Tür öffnet und auch den Aufzugsschlüssel mitbringt. Das ist natürlich besonders im Winter äußerst unangenehm wenn man bei den Temperaturen auf unbestimmt lange Zeit in der Kälte steht. (auch mal 10 Minuten)

Die Freundin hat einen Ausweis der Unibibliothek denn den kann man sich nicht nur als Student ausstellen lassen. eine Mitarbeiterin teilte ihr dann mit das sie sich einen eigenen Schlüssel für Tür & Aufzug aushändigen lassen könnte um zukünftig selbst die Tür öffnen zu können und den Aufzug zu nutzen.

Praktische Sache – eigentlich: Der für den Schlüssel zuständige Mitarbeiter zeigte sch äußerst unfreundlich im Gespräch und teilte ihr erst einmal mit das den Schlüssel lediglich eingeschriebene Studenten erhalten können und es völlig egal ist ob sie für ihren Nutzerausweis etwas zahlt, denn sie sei keine an der Hochschule eingeschriebene Studentin.

Man lernt also daraus schon mal: Zahlen darfst du für den Ausweis und die Bibliothek dann auch nutzen wie jeder Student, aber rein kommst du wann du willst nur als Nichtrollstuhlfahrer.

Das Gespräch ging aber noch weiter, der Mitarbeiter erklärte es könne ja auch nicht sein das „jeder“ einen Schlüssel bekommt, denn dann könne der ja „zu untreuen Händen gelangen“ – sagte er … stellt sich nur die Frage warum die Mitarbeiterin diesen Vorschlag ganz von sich aus machte.

Außerdem scheint der Mitarbeiter Rollstuhlfahrer für nicht sonderlich intelligent zu halten denn er wollte wissen „Wissen Sie denn was Denkmalschutz ist?“ – äh ja, das wissen auch Rollstuhlfahrer und eben deshalb wollte sie den Schlüssel – stellt sich die Frage ob er weiß was Diskriminierung und Barrierefreiheit sind?!

Absolutes I-Tüpfelchen war aber als er wissen wollte was meine Freundin denn so täte, sie erklärte ihm das sie studiert und ein Praktikum in einem hier ansässigen Zentrum zur Beratung von behinderten Frauen macht. Kommentar des Mitarbeiters war: „Oh dann hab ich ja bald noch mehr von Ihrer Sorte hier stehen“ – das machte mich ehrlich gesagt fast sprachlos.

Eine weitere Begründung dafür das sie keinen Schlüssel bekommt war „Ab April wird hier eh renoviert und dann ist der Rollstuhleingang eh nicht mehr existent“ – oh super, vielen Dank! Gutes Timing so zum Semsterbeginn, was wollen Rollstuhlfahrer auch die Bibliothek nutzen.

Unnötig zu sagen das er natürlich seinen Vorgesetzten nicht nennen wollte und sich während des Gesprächs nicht durch Höflichkeit auszeichnete.

Fazit ist also: Man kann sich einen solchen Schlüssel aushändigen lassen, aber nur wenn man an der Hochschule eingeschrieben ist, ist man irgendwo anders als Student eingeschrieben ist man jeder und ganz sicher jemand der verantwortungslos mit dem Schlüssel umgeht. Außerdem sind Rollstuhlfahrer die sich gegen eine solche Behandlung auf irgendeine Art wehren wollen eine „Sorte“ die nervig und negativ besetzt ist. Und man braucht den Schlüssel ja sowieso nicht weil in mehr als 1 Monat der rollstuhlgerechte Zugang sowieso nicht mehr existiert.

Mal sehen was der Behindertenbeauftragte der Universität davon hält…

Es wird sicher interessant zu sehen ob der gnädige Mitarbeiter mir als eingeschriebener Studentin einen solchen Schlüssel aushändigt wenn ich danach fragen werde. Und ob ich auch zu „der Sorte“ gehöre oder ob ich eine andere bin weil ich an der Hochschule eingeschriebene Rollstuhlfahrerin bin?

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Eingeordnet unter Alltag, Ärger