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S21 – 1. Schlichtungstag, Teil 2

Der erste Vortrag war von Herrn Kefer von der Bahn und ich erwartete die übliche Pro S21 Propaganda, aber nein, Herr Kefer sagte das er neue Folien hätte und das er keinen Ausflug ins Historische machen wolle – er begann seinen Vortrag mit „Vor 175 Jahren …“ und erzählte etwas über die Anfänge der Bahn und die Ursprünge von Kopfbahnhöfen – okay das ist also nicht historisch 😉

Seine Stimme war angenehm und der Vortrag war zumindest nicht einschläfernd, als Student ist man ja froh über solche Vorträge *G*. Sonderlich viel behalten habe ich mir von dem Vortrag allerdings nicht wie ich merke. Dennoch war Herr Kefer ein angenehmer Redner und der Vortrag nicht so schlecht wie ich eigentlich erwartete.

Als nächstes war dann Herr Palme an der Reihe und ich muss sagen ich war enttäuscht von seinem Vortrag, er redete mir zu schnell, so dass ich den Eindruck hatte gar nicht alles erfassen zu können was ich vielleicht gerne würde. Man merkte ihm den Politiker auch deutlich an, es war irgendwie halt so ein typischer Politikervortrag wobei ich gar nicht genau sagen könnte woher dieses Empfinden denn kam. Herr Palme ging gleich auf ein paar von Kefer behauptete Dinge ein und schilderte seine Sicht dazu.

Zu den Fakten: Herr KEfer sagte der neue Bahnhof wäre um ein Drittel leistungsfähiger und es würden dann 2 Mio mehr Menschen auf die Schiene kommen – woher die denn so plötzlich kommen sollten wurde mir persönlich nicht klar. Laut Herrn Kefer wahrscheinlich nur wg den verkürzten Strecken, für mich nicht vorstellbar denn das Kritikargument das ich immer wieder höre sind eben nicht die Reisezeiten sondern vor allem die hohen Preise in Verbindung mit den Reiseziten, und an den Preisen wird ja auch der neue Bahnhof nichts ändern. Außerdem hob Kefer noch die deutlich geringere Zahl der Gleiskreuzungen hervor und die geringere Gleisbelegungszeit die es laut ihm wegen des Wesen eines Kopfbahnhofes nicht geben kann. Und auf Kopfbahnhöfen wären mehr Züge verspätet wenn ein anderer Verspätung hat – hm wg. Anschlusaufnahme müssen auch an Durchgangsbahnhöfen viele Züge warten… Außerdem wurde später erwähnt der Heidelberger Bahnhof sei einer der unpünktlichsten, wie ich aus eigener Erfahrung weiß ist das definitiv ein Durchgangsbahnhof 😉 (Anmerkung am Rande: bei meinen 3 Fahrten zur Buchmesse fuhr der Zug dort immer verspätet los obwohl er pünktlich bereitstand, wahrscheinlich wg Anschlussaufnahme oder so)

Herr Kefer führte auch noch an das auch andere Projekte in BaWü rund 30 Jahre Planungszeit gehabt hätten und schließlich auch gut gewesen wären – damit wollte er wohl den indirekten Schlss ziehen das S21 dann auch gut sein muss – ich „liebe“ solche Argumente.

Über Güterverkehr sprach er nict, obwohl er betonte das S21 ja gut für die Wirtschaft sei … was er damit meine wenn nicht den Güterverkehr naja das weiß wohl nur er. (ich persönlich würde da die doch recht kurzzeitigen Arbeitsplätze nämlich nicht mit reinnehmen denn sie sind a) nur kurzzeitig und nach dem Umbau ja auch nicht mehr vorhanden und b) bietet die ein Umbau des kopfbahnhofs ja auch)

Gegen Ende sagte er noch se seien zu größerer Offenheit bereit – nun denn, ich bin gespannt.

Herr Palme stellt klar das die Gegner nicht generell gegen Bahnverkehr sind. Er erwähnt auch, dass Kefer nichts zum Güterverkehr gesagt hat weil der davon nicht profitiert. Er stellt auch klar, dass unter den von der Bahn angenommenen Prämissen nur das aktuelle S21 Projekt rauskommen konnte, man diese Prämissen jedoch auch hätte verändern können und damit ein anderes Projekt entstanden wäre.

Palmer erwähnt auch die von Frau Merkel oft genannten EU-Subventionen und stellt klar dass diese nur für die europ. Bahnstrecke fließen, nicht jedoch für den Bahnhofsbau. Palmer weist auch darauf hin, dass die Aussage Kopfbahnhöfe seien ein Relikt aus alten Zeiten nicht ganz stimmig ist, das sowohl München und Frankfurt als auch Zürich an ihren kopfbahnhöfen festhalten. Zürich sogar recht erfolgreich was seine Leistungsfähigkeit betrifft. Stuttgart gehört nach seiner Aussage zu den Pünktlichsten Bahnhöfen – im Gegensatz zu Heidelberg.

Palme äußert sich natürlich auch zu den hohen Kosten und den starken Kostensteigerungen. Das Argument von Herrn Kefer, dass der Verkehr des Flugzeugs wieder zurück zur Bahn soll und das Flugzeug der stärkste Konkurrent der Bahn ist will Palme so nicht stehen lassen, er sagts das viel mehr die Straße und der Güterverkehr eigentlich viel eher das Ziel der Bahn sein sollten.

Für mich DER Satz des Herrn Palmer: „Kopfbahnhöfe sind für die Kunden viel bequemer“ – JAAA! Aber dazu später meher und erwähnt hatte ich das ja schon mal in einem früheren S21 Artikel.

Danach refertiert Gangolf Stocker, der sehr viel nuschelt und sehr stockend spricht, mit der Technik hat er auch so seine Probleme und wirkt da sehr unsicher und etwas überfordert. Ich habe ihm nicht so ganz aufmerksam zugehört muss ich gestehen, es war mir zu anstrengend irgendwie.
Stocker sagt allerdings gleich zu Beginn zu dem Bahnmenschen Kefer „Ich sehe Sie kennen den Stuttgarter Bahnhof nicht“ und erklärt dass die Gleiskreuzungen nicht so prüblematisch seien wie von Kefer dargestellt, da der Bahnhof auf Grund seiner Lage die Einfahrt über 3 Ebenen ermöglicht. (was von Kefer nicht erwähnt wurde)

Geißler will dann von den Verantwortlichen Zahlen über die Wirtschaftlichkeit des geplanten Bahnhofs, da die Gegner diese ja bestritten, Frau Gönner erklärt dann dazu könne sie jetzt keine Angaben machen, sie hätte nicht gewusst dass das heute auf dem Plan stünde (mW war als Punkt die Leistungsfähigkeit des S21 Konzepts vorgesehen, warum man da keine Unterlagen über die Wirtschaftlichkeit bei sich hat ist mir etwas schleierhaft, denn auch die ist ja für die Leistungsfähigkeit relevant). Sie müsse die Unterlagen erst holen und könne sie also frühstens nach der Mittagspause haben, wenn überhaupt, denn eigentlich wäre das ja gar nicht vorgesehen und sie hätte das ja nicht wissen können.
Als sie merkt das Geißler darüber ziemlich irritiert scheint schiebt sie nach „Ich glaube der H. Kefer würde dazu gern was sagen“, dieser sitzt die ganze Zeit stumm neben ihr.
Ich habe mich an der Stelle gefragt warum sie für Kefer spricht und ob der plötzlich seine Stimme verloren hat … aber wahrscheinlich war es nur ein plumper Versuch aus der sehr misslichen Situation wieder rauszukommen und den Teil Kefer aufzudrücken.

Kefer sagt dann es würde zusätzliche Güterzugkapazität geschaffen, muss aber im Laufe der Diskussion zugeben, dass sich seine Aussage auf sog. „leichte Güterzüge“ bezieht die nur eine gewisse Menge geladen haben dürfen, für alle anderen Güterzüge wäre die alte Strecke besser als die neue.

Es wird dann eine ganze Weile über Güterzüge und div. Strecken diskutiert, da stieg mein Hirn aus weil ich den Streckenverlauf auch überhaupt nicht kenne, schwere Güterzüge sollen wohl dann über eine bisher wenniger genutzte Strecke laufen deren Namen ich mir aber nicht merken konnte.

Geißler wird irgendwann die Diskussion zuviel und er versucht sie irgendwie zusammenzufassen – ich hab die Zusammenfassung allerdings irgendwie noch weniger durchblickt… es wird dann noch ne Weile diskutiert bis Geißler irgendwann sagt „Die Küche meldet das Essen ist warm“

Kefer sagte auch noch zu den Gegnern „Sie haben behauptet Frankfurt hätte einen Kopfbahnhof, das stimmt so nicht“ – ich dachte „äääh wie jetzt, von der Buchmesse bis jetzt so schnell umgebaut?“ Es gab auch murrende Töne im Raum und Kefer schiebt nach „Der Flughafen ist ein Durchgangsbahnhof“
Äääääh … wie jetzt?! Weil der Flughafen ein Durchgangsbahnhof ist stimmt die Aussage das Frankfurt einen Kopfbahnhof hat nicht?! Hm … gehört der Hauptbahnhof dann wohl nicht zu Frankfurt?!
Nach der Argumentation könnte man einfach am Flughafen Stuttgart einen ordentlichen Bahnhof bauen und den verbuddeln – dann hätte Stuttgart ja auch keinen Kopfbahnhof mehr 😉

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s21 – Der 1. Schlichtungstag Teil 1

Tja … ich hatte mir vorgenommen zumindest das 1. Schlichtungsgespräch anzusehen, auch um mir ein Bild von dem Schlichter Heiner Geißler zu machen, denn dem traute ich nur mäßig über den Weg auf Grund seines Parteibuches ;).

Ich werde das Gesamtthema wohl in mehreren Teilen bebloggen, weil da heute ziemlich viel verschiedenes auf  mich eingeprasselt ist. Und es war tatsächlich informativer als ich es im Vorfeld erwartete.

Ich bin, wie schon mal erwähnt, ja eher unpolitisch und kenne mich in der Landespolitik nicht besonders gut aus daher kannte ich all die beteiligten Personen überhaupt nicht und war Ihnen weder positiv noch negativ gegenüber eingestellt. Und wahrscheinlich krieg ich auch gar nicht mehr alle Namen zusammen vermute ich.

Die Schlichtung begann mit jeweils etwa 45minütigen Vorträgen der Pro und Contra S21 Gruppen, für die Pro-Seite sprach ein Herr Kefer der wenn ich das noch richtig weiß von der Bahn ist, für die Gegner sprach H. Palme, OB von Tübingen und passend zu seiner Krawattenfarbe ein Mitglied der Grünen.

Herr Geißler führte die Schlichtung eher locker und ermahnte die Parteien gleich sie sollen sich doch bitte so ausdrücken dass auch der Mensch von der Straße versteht über was gesprochen wird und man solle bedenken, dass man sich nicht in einer Expertenrunde befindet. Eine wie ich finde sehr gute Ermahnung, die im Laufe des Tages noch mehrmals geäußert wurde, Herr Geißler scheute (zum Unmut von Frau Gönner) auch nicht die Referenten zu unterbrechen wenn er den Eindruck hatte es würde etwas unklar/unverständlich formuliert – fand ich einen guten Ansatz, auch wenn ich persönlich nicht immer Verständnisprobleme hatte. Dennoch drückt es aber aus, dass sich der Schlichter auf die Menschen zubewegen will und versucht über das Verstehen können wieder Vertrauen aufzubauen. Das Frau Gönner da irgendwann intervenierte und meinte man müsse eben auch Fachtermini nutzen wenn man mit Fachleuten im Gespräch sei, zeigt für mich das sie wohl Geißlers Gedankengang dahinter nicht richtig verstand. Denn auch wenn Geißler vielleicht mal zu oft unterbrochen hat, weil es die Leute draußen auch so verstanden hätten, so zählt für mich der Gedanke dahinter einfach mehr.

Auch mit kritischen Nachfragen mussten beide Seiten rechnen und so manches Mal hatte ich den Eindruck das Herr Geißler leicht genervt war wenn sich wieder durchgewunden werden sollte.

Von mir ein großes Lob an Herrn Geißler – und das ist mir obwohl es so nicht geplant war diesen eigenständigen Artikel wert – ich wurde sehr positiv überrascht, rechnete ich doch mit CDU-Klüngel und erlebte aber kritische Nachfragen die auch weitergeführt wurden wenn sie den anwesenden CDUlern unangenehm wurden.

Auch die Versuche von Frau Gönner (Verkehrsministerin BaWü) immer wieder so ein bisschen das Heft aus der Hand zu nehmen unterband er, obwohl sie es wirklich oft versuchte.

Bisher ist das Internet – besonders die Gegner von S21 – voll des Lobes über Heiner Geißler, ich persönlich bin ja überzeugt davon dass er am Verhandlungstag über K21 genauso kritisch bei den S21-Gegnern nachhaken wird und dann werden die Pro-Leute jubeln und ihn feiern und die Gegner ihn verfluchen und als parteiisch ansehen. In meinen Augen muss er aber genauso handeln um seine Aufgabe als Schlichter ernst zu nehmen – ich hoffe ich habe mich nicht in ihm getäuscht und es passiert auch so, denn sonst würde er sich arg angreifbar machen und das fände ich ja sehr schade. (auch wenn mir persönlich das was von den Pro-S21 Leuten zu sehen eine gewisse Schadenfreude entlockte)

Ich hoffe also, das die K21 Befürworter besser vorbereitet sind als das was ich da heute gesehen habe. Sehr viel schlechter kann man sich mE gar nicht mehr präsentieren, als das was heute die Bahn/das Land und die anwesenden CDU-Leute boten.

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